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Stör-Elbe Tour (2013)

Am 3. Mai war es endlich soweit: Meine erste Gepäck-Tour mit dem Kajak. Gegen 11 Uhr treffe ich mich mit Peter bei der Kanugruppe Wilster. Boot abladen, packen, noch ein paar Tips, wo was am besten verstaut werden kann und los geht es die ersten Kilometer auf der Wilster Au. Das Umtragen über den Stördeich an der Schleuse Kasenort ist ein ganz schönes Gebuckel und der Einstieg auf der Stahltreppe ist nichts für zarte Bootsrümpfe. Auf der Stör wartet ablaufendes Wasser – die Richtung stimmt also und auf geht's. Die ersten 16 km fahren wir vorbei an Beidenfleth, Neuenkirchen und der Peterswerft in Wewelsfleth. Nach der nächsten rechts-links-Kombination taucht dann auch schon das Störsperrwerk auf, das nur bei Sturmflut geschlossen wird und ansonsten immer passierbar ist – so auch heute für uns.

Zeltplatz am Elbestrand

Da ist sie nun, die Elbe, bei Sonnenschein und kaum Wind sieht sie sehr einladend aus! Links halten wir uns entlang der Untiefe - mit dem linken Paddelblatt immer auf Tuchfühlung mit dem Elbgrund. Auf der Rückfahrt treffen wir genau hier auf einen trocken gefallenen Segler mit einer Schar (noch) gutgelaunter Gäste an Bord - die Stimmung ist gut, die Biervorräte offensichtlich noch ausreichend – das kann sich aber mit dem Warten auf die nächste Flut auch noch ganz schnell ändern, da ihr Ausflug nun doch ein paar Stunden länger ausfallen wird, als geplant. 

Nur zwei Kilometer bis zum oberen Ende der Rhinplate müssen wir etwas gegen die noch  ablaufende Tide paddeln, bis wir dann den Trittstein auf Höhe des Fähranlegers in Glückstadt bei Tonne 5 erreichen. Vorsicht ist hier geboten, weil man die Steine, die dort liegen, erst später sehen wird, nämlich wenn die Ebbe mehr vom Elbstrand preisgeben wird. Hier also unsere erste Pause und wir warten  auf auflaufendes Wasser, um weiter nach Pagensand in Richtung Hamburg zu fahren. Allzu sehr beeilen brauchen wir uns nicht, da wir Pagensand B nur bei Hochwasser erreichen können und von der Rhinplate aus sind es nur noch etwa 15 km, die Strömung hilft uns mit ca. 3-4km/h. Auf geht es also vorbei an der Rhinplate und danach immer neben der Fahrrinne, auf der uns schon die ersten dicken Pötte begegnen weiter bis Mitte Pagensand. Als wir an “Pagen B” ankommen, sind wir eigentlich eine Stunde zu früh, aber wir beschliessen anzulegen und die Boote über den Steinwall zu tragen, was wir uns eine Stunde später hätten ersparen können - aber so schlimm war es denn auch nicht. Ein aus Rasensteinen hergerichteter Überweg erleichtert das Tragen über die Steine. Hier haben Kanufreunde anderer Vereine gute Arbeit geleistet!

Auspacken, Zelt aufstellen und dann gibt es erstmal den "Einlaufschluck", der ordentlich durchwärmt und anschließend wird zu Abend gegessen. Das schmeckt nach getaner Arbeit hervorragend und anschließend packt Peter eine schöne Flasche Rotwein aus und - sein schraubbares Rotweinglas - ich nehme mit meinem Thermosbecher vorlieb - auch daraus schmeckt der Wein vorzüglich. Unglaublich, was Peter so alles aus seinem Kajak zaubert – man könnte meinen, es sei unterkellert... Die einzigen, die an diesem Abschnitt von Pagensand Zugang haben, sind wir Paddler. Kein Motorboot oder Segler kann an dieser Stelle anlegen, so bleiben wir denn auch unter uns. Alt werden wir nicht und nachdem sich die Sonne dramatisch in der Elbe verabschiedet hat, kriechen wir denn auch in unsere Zelte - die Nacht wird kalt.

Aber der Morgen beginnt schon mal prima. Vogelgezwitscher weckt uns und wir können in Ruhe frühstücken und packen, denn wir müssen auf das auflaufende Wasser warten. Die Tide bestimmt den Zeitplan unserer Tour. Die Etappe heute ist kurz- nur etwa 11km bis nach Lühesand. Und die Sonne kündigt mit ersten warmen Strahlen auch schon ihre Bereitschaft an, uns auf dem Weg dorthin zu begleiten. Spannend ist die Querung der Fahrrinne – Zeltplatz Lühesandunglaublich wie schnell diese dicken Pötte sich dann doch nähern, die Tonne der anderen “rettenden” Fahrwasserseite aber nur langsam näher kommt. Die Dinger fahren hier deutlich schneller als auf dem NOK! Ich bin doch froh, dass mir Peters Frau Bärbel ihren “Kodiak” geliehen hat. Darin fühle ich mich ausreichend sicher.

Wir erreichen den Campingplatz auf Lühesand , der schon von weitem durch die riesigen weiß-roten Strommasten erkennbar ist. Auch hier machen sich die robusten Boote gut, denn wir müssen sie eine geteerte kleine Rampe hochwuppen, werden aber sofort tatkräftig von einigen Kanufreunden der Elmshorner Wanderpaddler dabei unterstützt, die das Wochenende nutzen, um die Plätze für die Saison vorzubereiten. Der Platz ist Klasse, mit direktem Blick auf die vielbefahrenen Fahrrinne und: Es gibt sanitäre Einrichtungen und eine Gastwirtschaft auf dem dahinter liegendem Campingplatz. Nach einem kleinen Nickerchen in der Frühlingssonne und einer erfrischenden Dusche gönnen wir uns gegen Abend ein schönes kaltes Bier und ein Abendessen dazu. Als wir zurück auf den Platz kommen, haben sich noch vier weitere Kanufreunde nach Lühesand verirrt, die wie wir am nächsten Mittag die Weiterfahrt mit ablaufender Flut in Richtung Brokdorf antreten wollen.

Den nächsten Tag lassen wir wieder ganz entspannt angehen. Da ein bisschen mehr Wind vorausgesagt ist beschließt Peter früher als geplant Lühesand zu verlassen um die Fahrrinne noch bei akzeptablem Wellengang queren zu können und den Tidenwechsel auf der gegenüberliegenden Seite von Lühesand, dem Julesand, abzuwarten. Eine gute Idee, da uns die Sonne dort so richtig verwöhnt. Um 13 Uhr machen wir uns dann von Warten auf die TideJulesand auf den Weg zurück. knapp 50 Kilometer liegen vor uns. Wir biegen vor Pagensand ins Dwarsloch – weg von der Fahrrine und dem doch zunehmenden Verkehr an Seglern und Motorbootsportlern. Nach einer unerfreulichen Begegnung mit einem wohlbeleibtem, breit grinsenden Motorboot”sportler”, der seine Jet-Ski fahrende Gespielin ausführt und uns erst in letzter Minute ausweicht um uns mit seiner Heckwelle “beeindruckt”, haben wir ein schönes, ruhiges Stück auf der Haseldorfer Binnenelbe vor uns.

Hier treffen wir auf Dirk und Antje von den Elmshorner Wanderpaddlern und den Itzehoer Wasserwanderern, die wir bis nach Kolmar begleiten, wo die beiden aussteigen und wir gemeinsam noch eine kurze Rast einlegen. Bei der Gelegenheit darf ich mir noch das bildhübsche Vereinsheim der Elmshorner Wanderpaddler anschauen. Ein altes Reetdachhaus mit Friesenstube und einem Bootslager unterm Dach. Nachdem wir uns von Dirk und Antje verabschiedet haben, geht es auf die letzten 10 Elb-Kilometer zurück zur Rhinplate. Warten auf den Tidenwechsel und es ist sogar noch Zeit für eine warme Suppe und Peter entscheidet sich für die Büchse Fisch.Dicke Pötte auf der Elbe

Wir starten um 19 Uhr zur letzten Etappe unserer Reise. Das kleine Stückchen Elbe bis zum Störsperrwerk (hier treffen wir auf die trocken gefallenen Segler...) 16 Kilometer die spiegelglatte Stör hinauf, noch einmal über den Stördeich buckeln und die letzten zwei Kilometer die Wilster Au hinauf. Als wir auf dem Gelände der Kanugruppe Wilster ankommen, ist es bereits dunkel. Gut das wir die Stirnlampen dabei haben. Die Boote sind schnell ausgepackt und verladen und wir machen uns auf den Heimweg nach Rendsburg.

Ganz lieben Dank an Peter, der diese Tour geplant hat und bereit war, mich als Großgewässer-Neuling mitzunehmen. Und Peter hat angedeutet, dass dies nicht die letzte Fahrt gewesen sein muss, auf die er Paddler des RKC mitnimmt, um ihnen sein Heimatrevier vom Wasser aus näher zu bringen. Ich kann nur sagen: Es war eine tolle, eindrucksvolle Fahrt, die mir lange in guter Erinnerung bleiben wird und ich bin gern wieder ein mal mit von der Partie.

(Uwe Rahlf)

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