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Itzehoe-Lühesand, Mai 2015

Am 8. Mai war es wieder soweit: Meine zweite Elbe-Tour nach der Premiere in 2013 sollte beginnen. Peter hat sich auch diesmal wieder bereit erklärt, mich mit auf sein "Hausgewässer" zu nehmen. Und was wir innerhalb der nur vier Tage dauernden Tour erlebt haben war schon erstaunlich! Aber fangen wir am Anfang an: Wie immer vor einer Tour habe ich mir schon Tage vorher Gedanken gemacht, ob ich auch wirklich an alles gedacht habe. Ein seetaugliches Kajak musste schließlich auch noch besorgt werden. Hier nochmal meinen Dank an meinen Freund Rainer, der mir sein fast unbenutztes Seekajak für diese "Testfahrt" überlassen hatte. Die anfänglichen Bedenken, ob auch wirkllich alles Gepäck im Boot Platz finden wird, ließen sich durch mehrmaliges Probepacken schließlich beseitigen - es passte tatsächlich alles hinein, sogar die Flasche Rotwein hatte noch Platz. Später sollte sich allerdings zeigen, dass inklusive Paddler dann der Platz zwischen Süllrand und Wasserlinie auf einige wenige Zentimeter zusammenschrumpfte, was natürlich nur an der Menge Gepäck und keinesfalls am Paddlergewicht lag :o)

Start war gegen 10:45Uhr etwa 3 Stunden nach Hochwasser vom Gelände der Itzehoer Wasserwanderer aus. Mit dem ablaufenden Wasser ging es die Stör hinunter vorbei an der Schleuse Kasenort, an Beidenfleth und Wewelsfleth bis schließlich zur Passage durch das Störsperrwerk, wo wir noch eine kleine Pause auf dem Reservetor machten, bevor es raus auf die Elbe gehen sollte. Die Windbedingungen ließen es diesmal zu, auf die andere Elbseite hinüber zu fahren und den Tidenwechsel (13:21Uhr NW Glückstadt) auf der Brammer Bank abzuwarten, einer Sandbank, die bei Flut vollständig unter Wasser ist. Hier trafen wir auf eine ca. 40-köpfige Seehund Gruppe, die sich am anderen Ende der Sandbank ausruhte. Gegen 14:45Uhr brachen wir von der Brammer Bank wieder auf um uns am süd-westlichen Elbufer weiter in Richtung Hamburg zu bewegen, vorbei am Schwarztonnensand, an dessen Ende wir wieder etliche Seehunde im Wasser ausmachen konnten. Hinter dem Schwarztonnensand ging es dann an die Querung der Fahrrinne mit dem Ziel "Pagen B" vor Augen, wo wir etwa gegen 17:00Uhr nach ca. 46km anlandeten.  Ankunft auf Pagen B, Foto: U. Rahlf Der Wasserpegel war bereits hoch genug, sodass wir die kleine Steinmauer vor "Pagen B" direkt überfahren konnten. Die Elbe zeigte sich von ihrer schönsten Seite - fast Ententeichbedingungen. Das sollte sich am Tag darauf allerdings ändern. Der Wetterbericht sagte 4-5 Windstärken aus Richtung Südost voraus, also Wind von vorn gegen das auflaufende Wasser. Das versprach kurze steile Wellen. Los ging es noch vor 7:00 Uhr morgens, da wir mit HW in Lühesand ankommen wollten. Der Tidenkalender gab 08:06 HW in Hetlingen (Höhe Lühesand) an. Die Wahl fiel dann auch auf die Trockenanzüge, denn auch die Temperaturen waren unter 10°. Die Fahrstrecke betrug ca. 12km. Peter entschied sich für die Route an der süd-westlichen Elbseite, vorbei am Industiegebiete und Stadersand. Dort hatten wir "Seegang satt" - vorbei der Ententeich von gestern. Die Wellen und die Schaumkronen wurden auf Höhe Stadersand zusehends größer und mir ein wenig flau im Magen. Peters Kommentar sinngemäß dazu: "Dass du das bei 3 fahren kannst, weiss ich ja schon...". Wir mussten fast zwei Stunden stramm gegen den Wind halten und merkten am Schluss doch deutlich, dass die Tide schon kippte. Und das Ganze ohne Frühstück... Glücklicherweise waren die Wellenbedingungen am Ausstieg auf Lühesand recht zahm, so dass wir die Boote ohne größeres Leid auf die Zeltwiese des RdE-Hamburg bringen konnten. Nach dem Aufbau der Zelte rief erstmal ein warmer Kaffee und ein schönes Frühstück. Das Wetter war uns nicht mehr ganz so wohlgesonnen: Windig und kalt, aber der Platz auf Lühesand liegt relativ gut geschützt.Zeltwiese auf Lühesand, Foto: Peter Schmidt Nach der ersehnten Dusche und einem ausgiebigen Mittagsschläfchen haben wir dann einen kleinen Inselrundgang gestartet und abends gab es viele Schiffe zu sehen, denn in Hamburg war Hafengeburtstag. Und: Ein Abendbrot in der Gaststätte des Campingplatzes mit einem schönen kühlen Bier bringt einen wieder richtig nach vorn. Der Sonntag startete leider wieder regnerisch und kalt - nachts waren es wohl um die 4°C und das Frühstück haben wir dick vermummt zu uns genommen. Das Tarp von Peter hat dabei gute Dienste geleistet - so ließ es sich auch trotz Regen ganz gut auskommen. Der Wind hatte am Sonntag noch zugenommen, sollte gegen abend von 5 auf 2 abnehmen, was auch tatsächlich geschah. Das Wasser kam unseren Zelten doch bedenklich nahe. So entschied Peter dann, dass wir uns am abend in Richtung Pagensand aufmachen sollten, damit wir am Montag nicht die kompletten 55km am Stück vor uns haben. Hochwasser in Lühesand war für 21:00Uhr vorausgesagt. Es war damit zu rechnen, dass es pünktlich sein wird! Trotzdem entschieden wir uns zwei Stunden vor HW abzufahren, was bedeutete, dass wir die 10km gegen das noch leicht auflaufende Wasser paddeln mussten. Dafür waren die Windbedingungen gut, leichter Schiebewind - es gibt Schlimmeres. Gegen 20:30 Uhr erreichten wir dann mit der untergehenden Sonne und in Begleitung etlicher Kreuzfahrer "Pagen D". Diesen Platz kann man auch bei niedrigem Wasserstand gut anfahren, da man auf Sand anlanden kann. Ein beeindruckender Anblick auf das andere Elbufer!

Am Montag konnten wir dann in aller Ruhe abbauen, frühstücken und die Boote beladen. HW in Hetlingen war für 09:40 Uhr berechnet, Tidenwechsel in Glückstadt: NW um 15:30 Uhr, die Strecke von Pagensand bis zum Trittstein auf der Rhinplate ca. 15km. Der Wind war stramm aus südlicher Richtung und es waren im Laufe des Tages Temperaturen bis über 20°C mit reichlich Sonne angesagt - konnten wir kaum glauben, da nachts wieder Temperaturen um die 5° waren! Aber auch hier behielt der Wetterbericht recht. Die Pause auf der Rhinplate, die wir gegen 12.45Uhr erreichten, reichte, um alle Klamotten zu trocknen und ein kleines Nickerchen in der Sonne abzuhalten.Pause auf der Rhinplate, Foto: Peter Schmidt. Eine heisse Brühe, die Dose Fisch in Tomatensouce und leckeres Brot mit Käse sollte reichen, um bis nach Itzehoe zu kommen. Gegen 15:00Uhr sind wir dann von der Rhinplate aufgebrochen. Der Wind und die Wellen von schräg hinten haben mich zwar mit dem verstellbarem Skeg nicht wirklich glücklich gemacht - viele Steuerschläge waren nötig und das Ankanten wegen des geringen Freigangs nicht wirklich schön - aber letzlich haben wir die letzten Kilometer auf der Elbe auch gut überstanden. Dann kam das lange Ende auf der Stör aber hier hat uns die Sonne dan richtig verwöhnt. Ein roter Hals und dazu passend gefärbte Ohren waren die Folge - aber es gibt Schlimmeres. Das Anlanden bei den Itzehoeher Wasserwanderern war dann noch mal ein kleiner Kraftakt, denn HW in Itzehoe war 22:15 und wir waren nach gut vier Stunden Paddelzeit ca. drei Stunden vor HW ind IZ angekommen und der Wasserstand an der Austragestelle noch relativ niedrig. Mit dem Ziel "Zuhause" vor Augen waren die Boote aber schnell entpackt und verladen.

Es war eine sehr abwechslungsreiche Fahrt, die von den Wetter und Gewässerbdingungen ein wirklich breites Spektrum geboten hat und die ich mit Sicherheit lange in guter Erinnerung behalten werde. Es fehlten eigentlich nur Schnee und Hagel - das war aber auch nicht soo schlimm. Und an Peter hier noch mal ein ganz dickes Dankeschön dafür, dass er mich auch bewusst in Situationen auf dem Wasser geführt hat, denen ich mich allein so nie ausgesetzt hätte. Ein bisschen geht denn doch immer noch...

Ein paar mehr Fotos gibt es in der Galerie zu sehen (im Vollbildmodus sieht man die Bilder etwas schöner) ...

30. Mai 2015, Uwe Rahlf

 

 

 

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